Wie läuft ein Helfereinsatz in Rumänien ab?

Anfang Dezember letzten Jahres habe ich gemeinsam mit Hundetrainerkolleginnen und anderen Freiwilligen die 6-stündige Autoreise nach Rumänien zum Helfereinsatz im Tierheim in Lugoj, Rumänien angetreten.  Es war nicht mein erster – und ganz sicher nicht mein letzter.

 

Ich habe mich entschieden, diesen Artikel zu schreiben, weil wir genau zu diesem Thema eine Frage in unserem Podcast Pfoten auf Asphalt bekommen haben. Wenn ihr lieber zuhört als lest, findet ihr die passende Folge hier: „Wie läuft ein Helfereinsatz in Rumänien ab?“

 

Wenn ihr darüber nachdenkt, einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren, hört euch davor gerne die Podcastfolge „Tierschutzhunde“ von Pfoten auf Asphalt an. Dort erfahrt ihr, worauf ihr achten solltet, denn leider gibt es auch unseriöse Vereine.

Das Gleiche gilt übrigens auch für Züchter. In einer unserer Folgen („Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen“) habe ich mit der Züchterin Franziska Kampleitner gesprochen, die aus erster Hand erklärt, woran man seriöse Züchter erkennt.

Eine weitere Folge, die ich euch ans Herz legen möchte: „Sind Rassehunde grundsätzlich problematisch? Und sollte man Rassehundezüchter boykottieren?“ – hier spreche ich gemeinsam mit Tabitha möglichst wertungsfrei über Pro und Kontra von Zucht- vs. Tierschutzhunden.

Zu meinem ersten Einsatz bin ich über die Hundeschule gekommen, die ich mit meinem eigenen Hund besuche. Unsere Trainerin hat mich gefragt, ob ich sie nicht begleiten möchte. So kam es zu meinem ersten Einsatz im privat geführten Shelter Free Amely, das mit dem Tierschutzverein Pfotenherz zusammenarbeitet.

Vor meinem ersten Einsatz hatte ich ein sehr klares Bild im Kopf: viel Lärm, viel Schmutz und Hunde, die vermutlich „unvermittelbar“ sind. Dieses Bild hat sich für mich nicht bestätigt – vor allem, was die Hunde betrifft. Es gibt dort so viele freundliche, spannende Hunde, und ich freue mich jedes Mal sehr, wenn ich höre, dass einer von ihnen einen Pflegeplatz oder ein neues Zuhause gefunden hat.


Der Ablauf eines Tages

Ich beschreibe hier einen typischen Tagesablauf, so wie ich ihn selbst erlebe. Falls sich jemand von euch danach motiviert fühlt, ebenfalls einen Einsatz zu machen, findet ihr weitere Infos bei Pfotenherz oder direkt auf der Homepage von Free Amely.

 

Der Tag beginnt

Gegen 08:00 Uhr treffen wir uns am Shelter. Die genaue Uhrzeit hängt von der Jahreszeit, der Teamgröße und der Anzahl der Hunde ab.

Zuerst gibt es eine kurze Lagebesprechung: Was steht heute an? Gibt es Besonderheiten? Wer übernimmt welche Aufgaben? Danach legen wir direkt los, denn Arbeit gibt es immer genug.

Als Erstes machen wir einen Morgenrundgang und prüfen, ob es allen Hunden gut geht. Anschließend kümmern wir uns um die Welpen. Dieser Teil nimmt am meisten Zeit in Anspruch, da hier besondere Hygienemaßnahmen gelten. Die Welpen stehen meist unter Quarantäne, da sie noch nicht oder noch nicht vollständig immunisiert sind oder eventuell gerade Infektionen haben, die sich nicht ausbreiten sollen.

Außerdem sind Welpen sehr hungrig, und entsprechend oft müssen die Gehege gereinigt werden. Deshalb werden die Welpen hier zweimal täglich versorgt. Das umfasst das Reinigen der Welpenräume, frisches Wasser und Futter für Welpen und Muttertiere, sowie gegebenenfalls die Verabreichung von Medikamenten.

Um nichts zu vergessen, hängen an den Türen Whiteboards mit allen wichtigen Infos, die laufend aktualisiert werden müssen.

 

Vormittag & Mittag

Nachdem die Welpen versorgt sind ist es meist schon fast Mittagszeit. Wir treffen uns zu einer Frühstückspause, und planen die nächsten Schritte. In der Regel teilen wir uns dann auf:

Ein Teil kümmert sich um die Außengehege der erwachsenen Hunde, ein anderer um die Innengehege in der Halle. Es gilt wieder: reinigen, füttern, Wasser auffüllen.

 

Nachmittag

Am Nachmittag gibt es dann auch mal Zeit andere Dinge zu erledigen. Auch hier gibt es „Haushalt zu erledigen“: Toilette putzen, Wäsche waschen, Näpfe reinigen, Müll entsorgen oder den Futtercontainer aufräumen. Manchmal gibt es zusätzlich Tierarzttermine.

Man nimmt sich aber natürlich auch Zeit, sich intensiver um einzelne Hunde zu kümmern: schüchterne Hunde langsam an Menschen gewöhnen, Geschirr- oder Leinentraining machen, Hunde in den Freilauf lassen, oder mit ihnen spazieren gehen.

Außerdem erledigen wir Aufträge für Pfotenherz, etwa Hunde fotografieren und beschreiben, sie messen und wiegen, oder die passende Geschirrgröße bestimmen. Diese Informationen sind wichtig für die Inserate auf der Homepage und für die Vermittlung.

Der Tag endet ...

 ... wie er begonnen hat – mit Welpen. Diese werden abends nochmals vollständig versorgt, danach folgt eine Abschlussrunde. Am besten im Vier-Augen-Prinzip: Sind alle Türen geschlossen? Lichter aus? Im Winter ist besonders wichtig zu kontrollieren, ob Heizungen und Wärmelampen bei den Welpen eingeschaltet sind.

Nach so einem Tag ist man definitiv müde, aber auch sehr zufrieden. Meist lassen wir den Abend in unserer Stammpizzeria ausklingen – natürlich erst nach einer Dusche – und gehen dann früh schlafen. Ich schlafe nach solchen Tagen immer sehr gut.

Mein letzter Einsatz war Anfang Dezember. Von den Temperaturen her war das Arbeiten überraschend angenehm. Herausfordernder ist eher, dass man im Winter deutlich weniger Tageslicht hat: Es wird später hell und früher dunkel.



Mithelfen – auch ohne direkt mit Hunden zu arbeiten

Wenn ihr selbst vor Ort unterstützen möchtet, euch aber unsicher seid, ob die direkte Arbeit mit den Hunden das Richtige für euch ist, erkundigt euch trotzdem bei Pfotenherz. Häufig gibt es Reparaturen oder andere handwerkliche Tätigkeiten, bei denen Hilfe gebraucht wird.

Natürlich besteht auch immer die Möglichkeit, durch Spenden zu unterstützen – die verschiedenen Optionen findet ihr ebenfalls auf der Homepage von Pfotenherz.

Und wenn ihr das Ganze lieber hören statt lesen möchtet: In der Podcastfolge „Wie läuft ein Helfereinsatz in Rumänien ab?“ erzähle ich Tabitha noch einmal ausführlich davon.

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