“Pfoten auf Asphalt zum Lesen - Hüte- und Treibhunde”

Bild ist KI-generiert.

Mein Plan war es, die erste Staffel„Pfoten auf Asphalt“ zum Nachlesen in Buchform zu bringen. Das Buch ist auch fast fertig – aber eben nur fast. Momentan habe ich auch keine Ahnung, wann ich dazu komme, es fertigzustellen.

Deshalb kam mir eine andere Idee: Ich teile die bereits fertigen Teile in Form von Blogartikeln mit euch.

Jeder Blogartikel besteht aus zwei Teilen: Zum einen aus einem überarbeiteten und gekürzten Auszug aus einem Interview aus„Pfoten auf Asphalt“, zum anderen aus der Geschichte einer Person, die mit einem Hund aus der jeweils besprochenen FCI-Gruppe (Fédération Cynologique Internationale) zusammenlebt.

Die Interviews habe ich für eine angenehmere Lesbarkeit überarbeitet und gekürzt. Das Originalgespräch könnt ihr euch aber direkt hier anhören.

Das zweite Interview, das ich mit euch teilen möchte, handelt von der FCI Gruppe 1 - Hüte- und Treibhunde.

Viel Spaß beim Lesen und/oder Hören!

"Man(n) kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht."

Heinz Rühmann

In diesem Interview rede ich mit Tabitha. Sie ist nebenberuflich Hundetrainerin und wird im Alltag von ihrer Aussie-Hündin Gipsy begleitet.

ERICH:

„Willkommen bei Pfoten auf Asphalt, dem Podcast für alle Stadtmenschen und Stadthunde. In den allerersten Folgen beschäftigen wir uns mit den verschiedenen FCI -Gruppen und sprechen darüber, wie wir ihnen das Leben in der Stadt so angenehm wie möglich machen können.

Dazu spreche ich mit Menschen, die mit einem Hund aus der jeweiligen Gruppe zusammen leben und uns über ihre Erfahrungen berichten können. Die erste Gruppe, über die wir sprechen möchten, sind die Hütehunde und Treibhunde. Und dazu: Hallo liebe Tabitha und danke fürs Kommen. Ich wollte heute mit dir gerne über die Hüte- und Treibhunde sprechen, weil du selbst mit einer Aussie- hündin zusammenlebst, die übrigens zuckersüß ist. Und was man so auf Insta und TikTok sieht, seid ihr ein sehr gut eingespieltes Team. Aber bevor wir anfangen - möchtest du dich selbst kurz vorstellen?

TABITHA:

Danke auch von meiner Seite für die Einladung. Es freut mich, dass ich hier mit dir über Hüte- und Treibhunde sprechen darf. Mein Name ist Tabitha. Ich bin nebenberuflich als Hundetrainerin tätig. Ich habe eine kleine, aber feine Hundeschule, die heißt Better Dogether. Dort spezialisiere ich mich eher auf Hundesport wie Treibball oder Hoopers, aber auch auf Tätigkeiten, bei denen der Hund konzentriert über Gegenstände geht - weg von diesem höher, schneller, weiter, hin zu sehr konzentriert und fokussiert. Das tut allen Hunden gut. Gerade für so Hibbelhunde, wie es Australian Shepherds gerne mal sind, ist das ein ganz gutes Training, um runterzukommen und fokussiert zu arbeiten. Das sind so meine Schwerpunkte.

ERICH:

Du hast gerade schon das Arbeiten erwähnt, und hier würde ich gerne mit der nächsten Frage anknüpfen: Ist diese Gruppe, eine Gruppe von Hunden, die eher zu diesem Überdrehen neigt? Und kannst du uns auch sagen, welche Rassen noch in diese Gruppe hineinfallen? Ganz spontan - es müssen jetzt nicht alle sein. Ich werde in die Show Notes eine komplette Liste aller Rassen packen, die unter die FCI Gruppe 1 fallen.

TABITHA:

Ja, die Liste ist ja tatsächlich sehr lang. Aber zur Eingangsfrage - ob alle so hibbelig sind: Ich würde sagen, die meisten tendieren da schon dazu, wenn man nicht aufpasst.

Man muss auch bedenken, für was diese Hütehunde gezüchtet wurden. Da ging es ja sehr darum, mit dem Menschen zusammenzuarbeiten und dabei jede Bewegung wahrzunehmen. Und das haben die immer noch. Das heißt, sie werden sehr stark von Bewegungen getriggert, weil sie dann das Bedürfnis haben zu schauen und zu hüten. Das steckt tief in ihnen drin. Dadurch sind sie ständig am Aufpassen ... und kommen nur schwer zur Ruhe.

Ein bekannter Vertreter dieser Gruppe ist sicherlich der Border Collie, der wie kaum ein anderer Hund dafür geeignet ist, Schafherden zu - hüten und das genetisch bereits mitbringt, wie viele andere dieser Gruppe auch.

...

Vielleicht auch ganz kurz zur Unterscheidung: Die Gruppe heißt ja Hüte- und Treibhunde. Hütehunde wären zum Beispiel der Border Collie, der um die Schafe herumläuft und die Herde zusammenhält. Treibhunde hingegen treiben die Tiere - meist Rinder - indem sie ihnen in die Hacken zwicken.

Und das ist dann im Familienalltag schnell ein Problem, wenn die Hunde anfangen, Kinder zu treiben oder in die Hacken zu beißen, weil das eben genetisch bedingt ist. Da muss man von klein auf aufpassen,...

Es gehören auch die Schäferhunde dazu - also die ganze Gruppe: Malinois, Holländischer Schäfer, Herder, Deutscher Schäferhund, der Briard und die weißen Schäferhunde. Genau, das wären so die, die mir da spontan einfallen.

...

ERICH:

Wir haben ja vorhin schon über das Überdrehte dieser Hunde geredet. Würdest du sagen, man kann diese Hunde trotzdem gut in der Stadt, in einer Wohnung halten? Oder was müsste man tun, dass es gut klappt? Oder sind es doch eher Hunde, die aufs Land gehören und einen eigenen Garten brauchen?

TABITHA:

Ich schließe mich der Meinung an, dass ein Hund keinen eigenen Garten braucht – gar kein Hund. Wobei ich vielleicht Herdenschutzhunde mal ausnehmen würde. Aber grundsätzlich braucht man keinen Garten. Viel wichtiger ist, dass man mit diesen Hunden arbeitet.

Diese Hunde – ich habe es ja schon erwähnt – wurden dazu gezüchtet, mit dem Menschen zusammenzuarbeiten.

Genau deshalb sind sie gut im Agility und bei all diesen Sportarten, bei denen Mensch und Hund gemeinsam aktiv sind.

Wenn so ein Hund nicht ausgelastet ist, kann das sehr schnell in destruktivem Verhalten enden. Dann muss die Couch dran glauben, oder der Wohnzimmertisch wird angeknabbert – oder sonst etwas geht zu Bruch.

Diese Hunde brauchen wirklich geistige Auslastung.

Trick-Dogging bietet sich super für jede Stadtwohnung an. Man braucht dafür nicht viel Platz. Für einfache Tricks reicht ein Quadratmeter. Auch Nasenspiele wie ein Schnüffelteppich oder Fährtensuche eignen sich sehr gut.

Tatsächlich würde ich für diese ganze Gruppe sagen: Diese Hunde müssen Ruhe lernen.

Wenn ich nochmal auf die Geschichte zurückkommen darf – diese Hunde waren früher bei einer Herde, da gab es keine Autos, keine Reizüberflutung. In der Stadt müssen sie erst lernen, damit umzugehen. Das heißt: viel Ruhe üben.

Hochfahren können diese Hunde von 0 auf 100 in wenigen Sekunden.

Die Hüter meiner Kindheit - Erinnerung an unsere Schäferhunde

verfasst von Erich

Bevor ich euch von den Schäferhunden meiner Kindheit erzähle, möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten. Gerade bei den verschiedenen Arbeitsgruppen der Hunde kommt es häufig zu Verwechslungen oder zumindest zu Unsicherheiten. Die Begriffe Hütehund,Schäferhund, Herdenschutzhund und Treibhund werden oft durcheinandergeworfen.

Da sich meine Geschichte um Schäferhunde dreht – mit diesen Hunden bin ich aufgewachsen –, möchte ich genau dort beginnen. Bis zu meinem Auszug von zu Hause haben wir, mit einer Ausnahme, immer Deutsche Schäferhunde gehabt. Die Ausnahme war ein Dobermann, aber das ist eine andere, eher traurige Geschichte. Jetzt aber kurz aufgepasst – es wird  theoretisch.

Schäferhunde gehören zu den Hütehunden. Genau hier beginnt oft die Verwirrung, denn es gibt Rassen wie den Kaukasischen Owtscharka, der umgangssprachlich häufig als „Kaukasischer Schäferhund“ bezeichnet wird, tatsächlich aber ein Herdenschutzhund ist.

Mit wenigen Ausnahmen gilt also: Schäferhunde sind Hütehunde.

Der entscheidende Unterschied liegt in ihrer ursprünglichen Aufgabe. Hütehunde arbeiten eng mit dem Schäfer zusammen – daher auch ihr Name. Gemeinsam mit ihm hüten, lenken und bei Bedarf verteidigen sie die Herde. Herdenschutzhunde hingegen leben weitgehend selbstständig bei ihrer Herde und treffen viele Entscheidungen eigenverantwortlich. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Herde vor Gefahren zu schützen.

Im Alltag kann das durchaus relevant sein. Herdenschutzhunde wirken durch ihre Größe und ihr flauschiges Aussehen oft wie riesige Teddybären. Tatsächlich sind sie jedoch sehr eigenständige Hunde, die häufig wenig Interesse daran haben, eng mit Menschen zusammenzuarbeiten. Stattdessen übernehmen sie gerne Verantwortung und beschützen das, was sie als ihre „Herde“ ansehen – manchmal eben auch ihre Familie.

Hütehunde dagegen wurden über Generationen darauf selektiert, eng mit Menschen zusammenzuarbeiten. Sie lernen schnell, arbeiten gerne mit ihrem Menschen und brauchen sowohl geistige als auch körperliche Auslastung. In den falschen Händen können sie deshalb schnell unterfordert und frustriert werden.

Und was machen nun die Treibhunde? Ihre Aufgabe ist vergleichsweise einfach: Sie treiben eine Herde von A nach B. Ist die Herde am Ziel angekommen, ist ihre Arbeit erledigt. Im Gegensatz zu Hüte- oder Herdenschutzhunden begleiten sie die Herde also nicht dauerhaft. Man könnte sagen: Sie sind die Freelancer unter den Hütehunden.

Aber nun zu meinen persönlichen Erfahrungen. Wie bereits erwähnt, bin ich mit Deutschen Schäferhunden aufgewachsen. Zumindest kann ich mich – abgesehen vom Dobermann – an keine andere Hunderasse in unserem Haus erinnern. Für mich waren als Kind irgendwie immer alle derselbe Hund: dieselbe Rasse und immer derselbe Name – Diana.

Ich habe jeden dieser Hunde als unglaublich loyal, intelligent, territorial und durchaus ernst zu nehmend erlebt. Und Erinnerungen, von denen ich hier erzählen möchte, sind mir bis heute besonders präsent.

Die erste stammt aus meiner frühen Kindheit. Ich komme aus Kärnten und liebe Weihnachten. Vielleicht vermisse ich die Winter meiner Kindheit genau deshalb so sehr: meterhoher Schnee, klirrende Kälte, sternenklare Nächte und unzählige Schlittenfahrten, bei denen Diana unseren Schlitten zog, während wir noch ganz klein waren.

Ja, ihr habt richtig gelesen: Diana zog unseren Schlitten. Es war so ein alter Holzschlitten, und sie trug ein Geschirr, das einem kleinen Einspännergeschirr ähnelte. Für mich war das damals das Größte.

Die zweite Erinnerung beginnt, als ich in die Schule kam. Der Weg zur Bushaltestelle kam uns Kindern damals unendlich weit vor, rückblickend war er gar nicht so lang. Jeden Morgen begleitete uns Diana zur Haltestelle und wartete dort, bis der Bus kam. Und mittags war sie wieder da, um uns abzuholen. Ich schwöre, das ist keine Übertreibung.

Die dritte Erinnerung zeigt allerdings auch eine ganz andere Seite dieser Hunde. Als wir älter wurden – meine Geschwister und ich sind jeweils nur ein Jahr auseinander – und anfingen, auszugehen, mussten wir feststellen, dass Diana eine sehr klare Meinung zu betrunkenen Teenagern hatte.

Wenn wir nachts versuchten, möglichst unauffällig ins Haus zu schleichen, war an unauffällig nicht zu denken. Diana machte einen Riesenkrawall und ließ uns oft gar nicht Oder zumindest trauten wir uns nicht an ihr vorbei, bis unsere Mutter aufstand. Wahrscheinlich hat Mama aber sowieso auf uns gewartet.

Bis heute bin ich überzeugt, dass meine Mutter ihr das beigebracht hat. Meine Mutter bestreitet das allerdings vehement.

Heute lebe ich schon lange nicht mehr zu Hause, sondern inzwischen mit meinem Freund und zweiten eigenen Hund. Die Liebe zu Schäferhunden ist mir jedoch geblieben. Zwar sind meine Hunde nie reinrassige Deutsche Schäferhunde, aber immer Mischlinge, denen man den Schäferhund zumindest ein Stück weit ansieht.

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“Pfoten auf Asphalt zum Lesen - Tierschutzhunde”